Heute war es soweit: Johannes Kreidler kam gegen 11:00 mit seinem bei Robben und Wientjes angemieteten Pritschenwagen und den versprochenen 70200 ausgefüllten Formularen an.
Kurz worum ging es?
Anmeldung bei der GEMA mit 70200 Formularen für jedes darin verwendete Zitat.
Aktion mit Lastwagen, Papierkolonnen, Trägern und Presse am 12.9.2008 um 11h bei der GEMA Generaldirektion Berlin, Bayreuther Straße 37 (Wittenbergplatz).
Also ein “Johannes Kreidler vs. GEMA”?
Eher ein naja. Vorweg: Johannes Kreidler ist ein GEMA Mitglied wie er während der Pressekonferenz mitteilte. Und: Thomas Kreidler hat GEMA-freie Musikstücke verwendet. Diese Information hätte er der GEMA im Vorfeld der Aktion ruhig mitteilen können, da diese sich dann besser vorbereiten hätten können. Unfaire Mittel wie ich finde – und auch nur in einem Nebensatz mitgeteilt.
Unabhängig von dieser Fußnote passierte neben Unglaublichem auch unglaublich langatmig Uninteressantes.
So verglich ein Kollege der GEMA (mit juristischem Hintergrund) den Diebstahl von Pflaumen aus Nachbarsgarten mit dem Diebstahl von Intellectual Property (also der digitalen Kopie von Musik bzw. dem Verwenden von Ausschnitten fremder Musik in der eigenen). Nicht wirklich treffend und am ehesten mit der Kohlschen Fehlleistung zum Thema Internet (Datenautobahn): “Autobahnen sind Ländersache” vergleichbar. Verständlich, dass Bettina Müller, Mitarbeiterin der Presseabteilung, das Bild selber für verfehlt empfand und dieses auch laut aussprach.
Umso erstaunlicher nach diesem Glanzstück von merkwürdigem Verständniss, dass das offizielle Statement zu einer Nachfrage von Julia Seeliger, ob denn die GEMA Arbeitsgruppen zum Thema alternative Abrechnung wie bspw. Kulturflatrate bilden würde, um Positionen beziehen und Vorschläge erarbeiten zu können – Nein – lautete. Das wäre nicht der Arbeitsstil der GEMA. Ausserdem wäre dieses Thema Vorstandssache. Schaun-wa-mal.
Auch das von mehrfache Nachfragen aus den Reihen der Teilnehmer, ob denn die GEMA darüber nachdenkt die Selbstvermarktung der Mitglieder dadurch zu unterstützen, dass sie eine Wahlfreiheit in der Lizenzierung ihrer Werke für unterschiedliche Verwendungen und Bereiche unterstützen würde, wurde zuerst mit einem grossen Fragezeichen in den Gesichtern der GEMA Vertreter beantwortet. Nach gefühlten 15 Minuten fiel der Groschen und die lapidare Antwort lautete – Nein. Mehrfach übrigens begleitet mit dem Hinweis auf die Veranstaltungsreihe “GEMA Wissen”, die 2x im Monat stattfinden würde und sich um die Fragen rundumdieGEMA drehen.
Also kurz – was kann die GEMA und was nicht:
Die GEMA kann keine Differenzierung zwischen “privater Nutzung” und kommerzieller Nutzung machen, da die Abrechnung zu komplex ist
Einzelne Werke können nicht ausgenommen werden (alle oder keins)
einzelne Bereiche (z.B. Internet) können ausgenommen werden (also z.B. keine Verfolgung der Nutzungsrechte im Internet – dann aber ausschliesslich keine!)
GEMA macht keine Politik, sondern vertritt die Interessen der Politik für ihre Mitglieder
Für weitergehende Fragen rundumdieGEMA -> gema-wissen.de
Ein Gutes hat es ja: Nur wer will, braucht GEMA Mitglied werden. Alternativen finden sich z.B. bei www.signfirst.com
Mein Fazit der Veranstaltung:
Zu viele unterschiedliche Interessen auf einem Haufen. Gut für die GEMA da die Fokussierung fehlte.
Das eigentliche Interesse von Kreidler schob sich nach 10 Minuten aus dem Fokus. Oder doch nicht, wenn sein ziel Öffentlichkeit (gelunden) oder Anregung Diskussion von GEMA-Mitgliedern war (Lippenbekenntniss “wir haben jetzt Hausaufgaben”)
GEMA ist GEZ bloss komplexer.
GEMA ist wohlhabend siehe Bilder.
GEMA ist kaufmännisch/finanzgetrieben.
GEMA ist nicht Kunst und nicht Gesellschaft.
GEMA ist Erfüllungsgehilfe der Regierung(en).
Weiterführende Links zum Event u.a. hier:
http://de.youtube.com/watch?v=SNBuj7Twac8
http://www.gulli.com/news/kreidler-und-die-gema-2008-09-12/
